3. Material

Ein Kiteboard ist prinzipiell relativ simpel als Sandwich aufgebaut.

Kernmaterial

Beim Kernmaterial muss man grundsätzlich zwischen Holz- und Schaumkernen unterscheiden. Teilweise werden auch Hybridkerne, also Holz und Schaum verbaut. Exoten wie Honeycomb-Waben sind wegen der aufwändigen Verarbeitung eher selten anzutreffen.

Geeignetes Holz hat lange Fasern und ist möglichst leicht (= geringe Dichte). Bewährt haben sich unter anderem Pappel-, Paulownia- und Balsa-Holz.

Bei den geschlossenzelligen Schaumstoffen kommen Corecell und Airex als Kernmaterialien in Frage.

Ob Holz oder Schaum als Kernmaterial verbaut wird, ist letzendlich eine Glaubensfrage.

Kante

Während die professionellen Hersteller ABS- oder UHMW-PE-Kanten verbauen, ist bei den Hobby-Shapern das Giessen der Kante mit einer Mischung aus Epoxydharz + Baumwollflocken weit verbreitet. Gerade bei ABS kann es Probleme mit dem Verbund geben, wodurch ein Board delaminieren kann (entsprechende Vorbehandlung wie anschleifen, abflammen, mit Alkohol reinigen etc. kann Abhilfe schaffen). Vor einigen Jahren wurde im Hobbybereich auch Forex/Kömacel verwendet, davon liest man aber nichts mehr. Selten wird auch härteres Holz als Kante verwendet (bspw. Birkensperrholz, Bambus, Ahorn), das mit Epoxy geschützt wird.

Eine weitere Möglichkeit besteht darin die Fasern um den Kern zu legen und so eine Kante zu schaffen. Die untere Lage wird auf den Kern geklappt. Dann wird die obere Faser-Lage aufgebracht und über die Kante runtergeklappt. Die überstehenden Fasern der oberen Lage werden dann bündig abgeschnitten.

(Die Faserlagen sind natürlich übertrieben dick dargestellt.)

Dazu braucht es allerdings viel Fingerspitzengefühl und Übung, damit ein sauberes Ergebnis erzielt werden kann.

Faserverbundwerkstoffe

Faserverbundwerkstoffe bestehen aus zwei Komponenten:

  • verstärkende Fasern (Glas, Carbon etc.)
  • Matrix (Epoxy)

Bei den Fasern sind Glasfasern wegen der Eigenschaften und dem Preis-/Leistungsverhältnis am weitesten verbreitet. Je nach Vorlieben des Shapers werden Fasern mit den unterschiedlichsten Flächengewichten eingesetzt. Am weitesten verbreitet sind wohl Glasgewebe mit 163 g/m2. Der Trend geht aber zu schwereren Glasgelegen, die biaxial, triaxial oder auch quadraxial ausgerichtet sind und Flächengewichte bis ca. 800 g/m2 aufweisen.

Auf den Bilder von links nach rechts (alles Glas):

  • schwarzes Körper-Gewebe mit 163 g/m²
  • biaxiales (±45°) Gelege mit 410 g/m²
  • Körper-Gewebe mit 163 g/m²
  • Leinwand-Gewebe mit 80 g/m²

Ob der Einsatz von Carbon sinnvoll ist oder eher dem Marketing dient ist umstritten. Von der Verwendung einzelner Bänder bis zum Voll-Carbon-Board ist die mögliche Bandbreite des Einsatzes relativ gross. Als Argument wird oft auch die Optik angeführt. Hier gibt es eine interessante technische Diskussion zum Thema Carbon vs. Glas.

Um die nötige Festigkeit zu erreichen, braucht man noch ein Laminierharz und den dazu passenden Härter. Beim Kiteboardbau wird Epoxydharz verwendet. Wichtige Kriterien bei der Auswahl sind:

  • Topfzeit: Innerhalb dieser Zeit muss das Harz verarbeitet werden, da anschliessend bereits der Härtungsprozess einsetzt.
  • Härtung: Die meisten Epoxydharze härten innerhalb von 24 Stunden. Dann kann das Board entformt werden. Das Harz härtet aber auch dann noch ca. eine Woche nach. Einige Epoxydharze müssen noch zusätzlich getempert werden, damit die entsprechende Festigkeit und Wärmebelastbarkeit erreicht wird.
  • (ev. die Wärmebelastbarkeit, weil das Board auch in der Sonne die Form behalten soll.)

Wichtig bei der Verarbeitung von Epoxydharzen ist die exakte Dosierung von Harz und Härter. „Viel hilft viel“ gilt hier nicht! Um die Anschaffung einer Digitalwaage kommt man also nicht herum. Beim Mischen sollte man auch dem Becherrand und -boden besondere Aufmerksamkeit schenken, so dass der Ansatz sorgfältig und gleichmässig durchmischt ist. Je höher die Raumtemperatur desto schneller härtet das Harz. Je grösser der Ansatz, desto schneller härtet das Harz. Es kann also Sinn machen, einen grösseren Ansatz in mehrere Becher zu verteilen oder nach und nach anzumischen.

Auf jeden Fall sollte man auch die Gefahrenhinweise und Sicherheitsratschläge zum verwendeten Harz lesen und anwenden, insbesondere:

  • Hautkontakt ist absolut zu vermeiden!
  • Harz- und Härterdämpfe sollen nicht eingeatmet werden!

Inserts

Wichtigstes Kriterium bei den Inserts ist sicher, dass diese rostfrei sind. Optimal ist V4A-Edelstahl, aber es kann durchaus auch V2A-Edelstahl verwendet werden. Bei vielen Serienbrettern wird das nicht anders sein. Mehr Infos dazu gibt es hier: Rostfreier Stahl. Es gibt auch Inserts, die zusätzlich beschichtet sind (bspw. mit Cadmium).

Weiter sollte ein grosszügiger Teller ein Ausreissen verhindern. Ein geschlossener Teller verhindert, dass die Schrauben zu weit reingedreht werden und so das Laminat beschädigt wird. Wichtig ist auch, dass die Inserts so geformt sind, dass diese nicht durchdrehen können. Als Gewinde ist M6 üblich, selten wird auch M5 verwendet. Die Höhe ist auch entscheidend und sollte der Dicke des Kerns (oder 1-2 Millimeter kleiner) entsprechen.

Besonders angenehm sind magnetische Caps, die der Lokalisierung der Inserts im fertigen Board dienen. Wenn die Inserts keine Caps haben, kann man z.B. Kerzenwachs reinträufeln lassen, so dass das Gewinde vom Harz geschützt ist. Sonst aber nicht rumkleckern, da das Wachs trennend wirkt und das Harz nicht mehr richtig haftet.

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